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Job’sche Weihnacht

17.01.2008 3 Kommentare

Es ist ein deutsches Phänomen, es gehört zu unserer Kultur wie Sauerkraut und Autobahnen ohne Tempolimit. Und trotzdem kann ich mich nicht dran gewöhnen. Nörgeln. Immer nur nörgeln. Nicht zu verwechseln mit fundierter Kritik. Nein, ich meine das unmotivierte Hinkotzen von irgendwelchen Brocken, weil man nicht damit leben kann, dass nach den hochgeschraubtenüberdrehten Erwartungen, die die Gerüchteküche geschürt hat, Steve Jobs eben keine eierlegende, transportable Wollmilchsau vorstellt, die für 300 Euro zu haben ist.

Vergangenen Dienstag war ja job’sche Weihnacht. Anders als bei den Geschenken, die man anlässlich des christlichen Pendants bekommt, kann man aber die Sachen nicht umtauschen, wenn sie einem nicht passen. Also wird geschmollt und genörgelt. Etwa weil das Display glossy ist. Oder die Tastatur schwarz. Oder weil der Apfel auf der Command-Taste fehlt.

Na dann will ich auch mal. Traditionen soll man pflegen. Die Keynote also aus der subjektiven Sicht eines Macbook Air-Bestellers.

Zeitkapsel für die Zeitmaschine

Time Capsule ist prima. Für jemanden, der weder (WLAN-)Router noch NAS hat. Für alle anderen, mich eingeschlossen, ist es eher unattraktiv. Ich müsste meine komplette Wireless-Hardware austauschen und bräuchte, da aufgrund der Wohnungstopographie die Verbindung zwischen Telefonanschluss und Hardware zwangsläufig kabellos stattfinden muss, nicht nur eine Zeitkapsel, sondern auch gleich noch eine Airport Basisstation. Erschwerend kommt hinzu, dass bei Time Capsule Ausfallsicherheit nicht inklusive ist. Selbst die 1TB-Variante bietet keine Möglichkeit, ein (softwareseitiges) RAID einzurichten. Da nützt auch der Einbau von Platten auf Serverniveau nichts.
Kleiner Exkurs: 2.5″-Platten mit einer Kapazität von 500GB rangieren derzeit zwischen nicht bezahlbar und nicht lieferbar. Aus den Specs bei Apple ist aber nicht ersichtlich, was drin steckt, aber allein vom Preis her kann es sich nur um 3.5″-Platten handeln. Und das heißt, in der aktuellen Airport Extreme ist vor allem viel Luft drin. Sollten die Jungs von Kodawarisan vielleicht mal auseinanderschrauben…

Zurück zum Thema: Ich gehe, anders als beispielsweise Martin, schon davon aus, dass das Backup mittels Time Machine kein Time Capsule-only Feature bleiben wird. Garantieren kann ich das freilich nicht.

Nachteilig bei der ganzen Geschichte dürfte sich die Geschwindigkeit auswirken. Ja, natürlich ist das 802.11n. Dummerweise passen sich WLAN-Netze an die Geschwindigkeit des langsamsten Teilnehmer an, etwas, für das zumindest auch die Februar-Revision der Airport Extreme noch anfällig war. Und mit 802.11g-Geschwindigkeit, damit arbeiten beispielswiese iPhone und iPod touch, macht das Kopieren größerer Datenmengen schlicht und ergreifend keinen Spaß.

Pimp my iPod touch

Zum iPhone nichts wirklich Neues. Leider. Eine meiner wenigen Tränchen zu dieser Keynote. Ich hatte auf die Ankündigung eines G3 iPhones gehofft, aber es hat nicht sollen sein. Dafür gab es für alle, die schon eines besitzen (und nicht dran rumgeschraubt haben), ein neues Firmware-Update, dass genau das kann, was schon seit Ende letzten Jahres bekannt ist.
Außerdem gibt es für alle Besitzer eines iPod touch neben ebenfalls neuer Firmware fünf bereits vom iPhone bekannte Applikationen und Widgets: Mail, Maps, Stocks, Weather und Notes. Leider funktionieren auch die mit dem Firmwareupdate gekommenen neuen Features (beispielsweise der anpassbare Homescreen) erst mit dem Software-Upgrade.
Systemvoraussetzungen sind 1.1.3 und $20 (respektive €17,99) zu viel im Geldbeutel. Vor allem letzteres hat für Unmut gesorgt. Zumal neue touch-Modelle die Applikationen schon enthalten werden und darüber hinaus im Preis gesenkt wurden. Ich würde aber trotzdem noch etwas warten mit kaufen, Jobs hat in der Keynote gesagt, dass die iPod touch, die gerade zusammengeschraubt werden, mit der Software bestückt werden. Was derzeit in den Regalen und wohl auch im Apple Store rumliegt dürfte daher noch auf dem Stand von vor der Keynote sein!
Das Software-Upgrade Januar 2008 selbst ist dann 12kB groß und dürfte daher nur einen Schalter enthalten, der die mit 1.1.3 ausgelieferten Apps dann auch aktiviert.

Nochmal zurück zum Preis: Ich war auch einer der ersten, die geschrieen habe: Geht’s noch?. Bei genauerer Betrachtung muss man aber eines sehen: Wenn man früher die aktuellste Software mit einem iPod nutzen wollte, dann musste man einen Neuen kaufen. Und das ist definitiv teurer als €17,99. Von daher ist die Entwicklung absolut zu begrüßen. Auch wenn es sich um ‘alte Apps’ handelt. Da diese aber seit gut einem halben Jahr klaglos ihren Dienst auf den iPhones dieser Welt (was mittlerweile 4 Millionen sein sollen) verrichten, könnte man auch sagen, man bekommt stabile Software. Das Location-Feature von Maps funktioniert aber nur leidlich (sprich: gar nicht). Laut Jobs ist Skyhook aber auch gerade erst dabei, WLANs in Europa zu kartographieren.
Darüber hinaus bringt dieses Update den touch einen Schritt näher an den perfekten PDA heran. Zumal damit jetzt auch VPN-Verbindung via L2TP und PPTP möglich sind. Ein sehr erfreulicher Schritt in die richtige Richtung.

Apple TV, Take 2

Gleich vorweg: Ich bin nicht Zielgruppe. Ich hab keinen TV und ich schau mir auch kaum DVDs an. Was vielleicht direkt miteinander zusammenhängt, auf jeden Fall verstaubt hier noch eine „Fluch der Karibik�-DVD (erster Teil!) und wartet darauf, gesehen zu werden. Deshalb auch nur ganz kurz zum Apple TV und nichts zu Movie Rentals.

Der ein oder andere hat das Teil ja schon totgesagt. Oder tut es jetzt. Ich glaube aber, dass Apple TV der neue iPod werden wird. Jetzt, wo es eigentlich ein Computer ohne Computer ist fehlt ihm nur noch ein bisschen was (integrierter DVB-T/S/C-Tuner beispielsweise) zur Killer-Hardware im Wohnzimmer. Und dann könnte diese Vision von Christopher Breen von einem Apple TV als zentrale multimediale Steuereinheit im Haus Realität werden.

Luftnummer

Ja, das ist etwas platt. Der Claim der Macworld „There’s something in the Airâ€? schlägt voll auf den Produktnamen durch: MacBook Air. Wieder einmal, wie damals schon beim Mac mini, hatte die Gerüchteküche den Namen kurz vorher ans Licht gebracht.
Platt ist dann auch das Gerät selbst. Zumindest an manchen Stellen. Die Höhe pendelt zwischen 0,4 und 1,94 cm. Das ist nicht wirklich dick. Was dann auch dazu führt, dass gewisse Dinge eben nicht drin sind. Oder in begrenztem Maße. Was dann wieder zu allerlei Nörgeleien führt.

Nur ein USB-Anschluss? Lässt sich kompensieren, sollte man wirklich mehr brauchen. Für den Anschluß eines Cardreaders reicht es. Und ja: Gut, dass man den nicht integriert hat.
Zu groß? Es ist kein Subnotebook, sondern irgendwas dazwischen. Und das hat den Vorteil, dass man nicht auf irgendein 11″-Display starren muss und, für Tastatur-Junkies wie mich, man einfach drauf lostippen kann, ohne erstmal eine Schulung mitmachen zu müssen, wo auf dem geschrumpften Keyboard wichtige Sondertasten wie > oder < zu finden sind.
Kein optisches Laufwerk? Äh ja. Konzept nicht verstanden.

Kommen wir zu den (eher) berechtigten Einwänden:
Kein wechselbarer Akku? Ja, das ist in der Tat scheiße. Was, wenn die Dinger mal wieder dazu neigen, ein Nebengewerbe als Flammenwerfer zu betreiben? Oder dieser einfach irgendwann mal an Leistung verliert, was ja doch hin und wieder vorkommen soll? Also vorsorglich gleich AppleCare mitbestellen, was bei einem portablen Gerät sowieso zu empfehlen ist? Macht das ganze dann gleich wieder unnötig teuer. Da hätte ich, wie beim fest verlöteten Speicher, auch etwas mehr Flexibilität erwartet, aber offensichtlich war Apple der Platz, den zusätzliche Befestigungsmechanismen benötigen, für anderes wichtiger.
Kein Firewire? Disqualifiziert das Book für den professionellen Bereich. Aber zumindest für mich kein KO-Kriterium. Platten betreibt man heutzutage sowieso bevorzugt übers Netzwerk. Wobei…
Kein Ethernet? Damit ist es im Business definitiv raus. Würde bei uns hier auch nicht funkitonieren. WLAN im Firmenumfeld ist in der Tat noch etwas stiefmütterlich. Man kann zwar einen Ethernet-Adapter mitbestellen, der belegt dann aber den einzigen USB-Port, wodurch das dann plötzlich doch zum Problem wird. Aber da ist ja noch die Sache mit dem Air. Feine Sache. Wenn man wirklich 802.11n nutzen könnte, auch mit Geräten im Netz, die langsamer funken. Aber das hatten wir ja schon oben, dass dem nicht zwingend so ist. Und damit macht die superschnelle SSD-Festplatte auch nur für diejenigen Sinn, die viel zu viel Geld haben und unbedingt damit angeben wollen.
Für den Unterwegs-Bedarf reicht WLAN hingegen völlig. Ich hab Hotspot-Flat bei T-Online und deren Hotspot-Dichte ist wirklich gut.

Die ein oder anderen meinen ja schon, das MacBook Air wäre der vorprogrammierte zweite Flop unter Jobs nach dem Cube. Was natürlich Blödsinn ist. Der zweite Flop war die Boombox. Aber selbst wenn es #3 werden sollte: Es wird wie der Cube ein technischer Meilenstein sein. Und es wird Maßstäbe setzen:
Kein Ethernet, kein optisches Laufwerk. Wahrscheinlich fragen wir uns in ein paar Jahren, was wir damit wollten. Ich war die Woche mal wieder PC fixen. Geht noch. Ist wie Fahrradfahren. Wobei Microsoft da tatkräftig mithilft, denn wer will schon Vista? Neben Problemen mit der Soundkarte galt es auch, ein nicht funktionierendes Diskettenlaufwerk zur Mitarbeit zu überreden. Ich konnte mich echt nicht erinnern, wann ich das letzte Mal eine dieser dünnen Plastikscheiben in der Hand hatte. Diskettenlaufwerke funktionieren übrigens, wenn man sie mit Strom versorgt. Sollte man den Jungs, die diesen neuen PC, den ich da in den Fingern hatte, zusammengeschraubt haben, vielleicht mal sagen.

Ich jedenfalls freu mich. Auf mein erstes Mac-Laptop mit Intel-Prozessor, auf mein erstes Laptop mit LED-Display, auf das neu Touchpad, auf ein Laptop mit einem Must-Have-Formfaktor und darauf zu erfahren, wie Apple bestimmte Sachen technisch umgesetzt hat, beispielsweise die Remote Disk (was wahrscheinlich hübsch verpacktes AFP/SMB ist) oder die Problemstellung, ohne optisches Laufwerk das Betriebssystem neu zu installieren. Noch 28 Tage.

3 Kommentare Kommentieren

  1. ad

    Das MBA werden die meisten wohl nur als Zweit-Notebook nutzen, oder?
    Ich persönlich könnte jedenfalls nicht auf Netzanschluß (Firma hat kein WLAN) und Firewire (DV Cam) verzichten. Ansonsten ist es ein feines Teil.


  2. Steffen

    Schön gesagt, Matt.

    an ad: Wer nutzt denn das MBA, wenn er schon ein MB hat…



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