Aufmerksamkeit ist aus – Hefeweizen auch
18.07.2008
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Ich weiß ja nicht. Ist es so schwer, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen? OK, wenn man sieht wer alles über Müdigkeit bei Twitter klagt, vielleicht schon. Aber jetzt mal im Ernst. Ich war gestern tanken. Ich mach das nicht gern. Aber es muss halt manchmal doch sein. Auf der Zapfsäule lag ein Tankdeckel. Meiner war es nicht. Also hab ich ihn beim Bezahlen mit reingenommen. „Der muss da schon seit gestern liegen, heute war noch keiner an der Zapfsäule. Das muss man doch merken, wenn der fehlt…â€? meinte die Kassiererin. Merken. Gutes Stichwort. Das muss man ja wohl auch merken, wenn der da einen Tag rumliegt! Aber wenn im Arbeitsvertrag ‘Geld kassieren’ steht geht ‘Alle vier Stunden mal den Blick schweifen lassen’ über die Arbeitsbeschreibung raus, schon klar.
Gerade komme ich von meinem Haus-und-Hof-Supermarkt. Ich weiß aber nicht, ob er das noch lange bleiben wird. Da lag doch gestern schon Hackfleisch in der Truhe an der Kasse, wo eigentlich die Colaflaschen hingehören und heute liegt es immer noch da. An der Truhe laufen die Beschäftigten am Tag auch höchstens hundert mal vorbei, wenn sie von der Kasse ins Büro gehen und umgekehrt. Ähnlich aufmerksam ist man bei der Neubestellung von Ware. Ich hab schon den Joghurt gewechselt, weil man den, den ich normalerweise esse, nur noch in Geschmacksrichtungen vorrätig hat, die ich nicht favorisiere. Und jetzt geht mit dem Ausweichprodukt genau das gleiche los! Nur noch Vanille und Mango-Irgendwas, ich will aber Kirsche! Oder wenigstens Erdbeere, wenn das mit den Kirschen so schwierig ist.
Das selbe traurige Bild in der Getränkeabteilung. Wie des öfteren freitags wollte ich mir ein Feierabendbier gönnen. Also eigentlich zwei, auf einem Bein steht man schließlich schlecht. Ich präferiere Hefeweizen. Im Markt stapeln sich die Kisten mit Kristallweizen, dunklem Weizen und alkoholfreiem. Aber kein Hefeweizen. Es ist jetzt nicht so, dass große Lücken klaffen würden wo das Hefe gestanden haben könnte. Nein, da wurde wohl einfach keines eingekauft. Meine letzte BWL-Vorlesung ist etwa her, aber seit wann kauft man das ein, was der Chef gerne mag und nicht das, was die Kundschaft auch kauft? Ich hab also die einzige vorhandene Erdinger-Hefe-Flasche an mich gerissen und mich schweren Herzens zu einem dunklem Paulaner als Gleichgewichtsausgleich durchgerungen. Lange mache ich das aber nicht mehr mit. Da halte ich lieber an der Tanke, die auf dem Weg liegt. Da ist zwar alles etwas teurer, dafür aber auch vorrätig. Ach so, bevor der Einwand kommt, da hätten noch anderthalb Kästen Schöfferhofer Hefe rumgestanden: Schöfferhofer ist das mit Abstand schlechteste Weizen Deutschlands. Mag sein, dass es prickelt, wenn man es in den Bauchnabel schüttet. In einem Bierglas hat es eh nichts verloren. Und die Bezeichnung ‘Hefe’ hat es auch nicht verdient.


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