Blogpotato

Opera mini for iPhone

13.04.2010 5 Kommentare

Ich bin ja langjähriger Opera-Kunde. Damals, die älteren unter uns werden sich erinnern, als man mit Browsern noch Geld verdienen konnte, während Netscape gerade dabei war, den Anschluß zu verlieren, war Opera auf dem Desktop eine Bezahlsoftware. Und ich habe mir die damals gekauft. Vor allem auch deshalb, weil man das handliche Installationspaket mal eben auf den Uni-Rechnern installieren konnte und man damit einen modernen Browser neben dem vorhandenen Internet Explorer 4 und Netscape 3 Gold hatte.
Unabhängig davon war ich von diesem Browser überzeugt. Gute Standardkonformität, schnell, innovative Features. Mausgesten sag ich da nur. Irgendwann meinte man aber in Olso, man müsste da jetzt Sachen reinstopfen, die keiner braucht. E-Mail-Client, Newsreader, Chatclient. Und irgendwann kam dann auch Firefox. Und noch einen Moment später war ich dann auf dem Mac und bei Safari. Seitdem installiere ich mir Opera eigentlich nur noch, um mal kurz zu lachen oder Leuten zu zeigen, was eigentlich Google von ihrem lustigen Frameset sieht.

Opera hat sich in den Folgejahren auch verstärkt auf den mobilen Bereich konzentriert. Und das, was sie für diverse Plattformen als Browser anbieten, kann sich auch durchaus sehen lassen – vergleicht man es mit dem Softwaremüll, den Hersteller wie Nokia oder Sony Ericsson standardmäßig so ausliefern. Und jetzt gibt es eben auch Opera mini für das iPhone.

Er wird floppen. So einfach ist das. Nach der ersten Installation wird man erstmal von einem all seiner UI-Elemente beraubten weißen Bildschirm begrüßt. Also nochmal schließen und neu starten. Alle UI-Elemente in schwarz. Opera trägt wohl jetzt schon Trauer.

Und auch sonst funktioniert eigentlich nichts, wie man es auf der iPhone-Plattform gewohnt ist.
Beispiel Scrollen: Auf der Quickdial-Seite versucht, weiter nach unten zu scrollen. Funktioniert nicht. Man kann, anders als bei allen anderen iPhone-Apps, die Seite nicht über das untere Ende ziehen, um festzustellen, dass es nichts mehr zu scrollen gibt. Dafür geschieht gänzlich Unerwartetes. Opera interpretiert die Geste, als würde ich wie mit einer Maus über die schon vorhandenen Quickdial-Buttons hovern – und dann nehme ich den Finger bei GMX vom Display und prompt wird deren Seite geladen.
Auch das eigentliche Scrollen auf einer Seite tut nicht das, was man von ihm erwartet. Der Scrollbalken blinkt nicht auf, um einen kurz die Information zukommen zu lassen, dass es da was zu scrollen gibt. Und auch das sanfte Ausrollen des Scrolls vermisst man schmerzlich.
Beispiel Zoomen: Klappt. Manchmal. Gerade auf dem 3G reagiert Opera oftmals viel zu träge. Und auch der angezeigte Bereich nach dem Doppeltap ist lange nicht so gut gewählt wie das Safari macht.
Beispiel Text auswählen: Nach dem halten muss man erst noch einen Dialog bestätigen, dass man jetzt Text auswählen möchte. Obwohl keine andere Option zur Verfügung steht. Schlimmer noch: Die lieb gewonnenen Anfasser fehlen. Und die Lupe auch. Den richtigen Textausschnitt zu erwischen wird also zum Glücksfall.

Der größte Vorteil, den Opera hat: Er ist, gerade bei langsamer Verbindung, schnell. Was man dadurch einkauft, dass alle Daten zunächst mal durch einen Proxy in Norwegen gepumpt werden.
Der UI-Fehlgriff, bei dem man zwanghaft versucht, die Oberfläche von anderen Plattformen zu kopieren, ohne auf die Vorteile und Eigenheiten von iPhone OS einzugehen, wird Opera mini aber nicht dazu verhelfen, irgendwelche nennenswerten Erfolge auf dieser Plattform zu feiern. Bei meinem kurzen Test ist mir Opera darüber hinaus mehrmals abgestürzt. Ja, auch Safari läuft nicht immer sonderlich stabil. Aber du musst halt besser sein als die mitgelieferte Standardsoftware, wenn du auch nur Krümel vom Kuchen abhaben willst.

5 Kommentare Kommentieren

  1. ad

    Danke. 1MB Download gespart.

    Obwohl mir das eigentlich schon vorher klar war.


  2. dertyp

    Den von dir berichteten “weißen Bildschirm beim ersten Start” gabs bei mir nicht. Ich wurde von einer kurzen Einführung begrüßt, die unter anderem erklärt, dass Zoomen über einen einfachen Tipp funktioniert – was das sporadisch klappende Zoomen das du beobachtet hast erklären dürfte.
    Ich denke dass sich Opera noch nicht groß in die Entwicklung von Opera Mini stürzen wollte, bevor sie wussten ob der Browser jemals von Apple freigegeben wird. Sehr wahrscheinlich werden momentan die Korken in Oslo knallen und sich die Entwicklerteams um eine zügige Weiterentwicklung kümmern.
    Was schon ziemlich gut funktioniert ist der Passwort-Manager, ganz im Gegensatz zu Safari. Auch die Vor- und Zurück-Navigation ist um ein Vielfaches schneller als in Safari. In soweit gehe ich davon aus, dass die Engine die im Hintergrund arbeitet ziemlich weit optimiert ist, und die UI-Unstimmigkeiten nur noch eine Frage von ein paar Mann-Monaten sind.


  3. Matt

    Grad nochmal neu installiert. Diesmal ohne weiße Seite. Die Infoseite scheinen sie aber von nem Server zu laden, d.h. kein Internet, keine Info.
    Zoom geht tatsächlich mit einem Finger, aber wieder so ein Stolperstein, weil es nicht in das Verhalten passt, was man vom iPhone normalerweise kennt.

    Und natürlich wird sich da noch was ändern. Das Problem ist doch aber, dass du die Nutzer, die du mit diesem ersten Eindruck verprellt hast, sehr schwer zurückgewinnen wirst, denn die wenigsten werden sich den Browser ein zweites Mal installieren.


  4. Moritz

    Witzig, das deckt sich exakt mit meinem ersten Eindruck vom iPhone-Opera! Ich hab mich dann einfach nur gefragt, warum sich die Leute, die vorher so nen Medienhype daraus machen, das sich nicht vorher gedacht haben…


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  1. Tweets die Blogpotato » Blog Archive » Opera mini for iPhone erwähnt -- Topsy.com - Wednesday, 28. April 2010

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