Blogpotato

Die eCommerce-Revolution 2011

17.12.2010 2 Kommentare

Gut aufpassen, wer sich mit dem Gedanken trägt, in 2011 einen eCommerce-Shop zu eröffnen. Hier folgt die ultimative Anleitung, wie es wirklich funktioniert!

Ich habe Tickets bestellt. Für die Bundesgartenschau nächstes Jahr in Koblenz. Das rangiert von der Größenordnung her knapp über dem verkaufsoffenen Sonntag des lokalen Gärtners im März.

Die Links zur Ticketvorbestellung sind auf der BUGA-Website schnell gefunden. Ein Klick auf den Link führt einen auf eine völlig anders gestaltete Seite, nämlich die von Koblenz-Touristik. Das sollte man auf jeden Fall so umsetzen, wenn man den eigenen Shop plant. Sobald es wichtig wird sollte der Besucher ein komplett anderes Design präsentiert bekommen, wir wollen ja nicht, dass er sich womöglich noch heimisch fühlt!

Die Validierung des Formulars erfolgt auf einer neuen Seite, eine Vorabvalidierung mittels Javascript ist nicht vorgesehen und das Formular wird auch auf der Seite, auf der die Fehler dargestellt werden, nicht erneut eingeblendet, der Besucher muss auf den Zurück-Link klicken, um mit seinen Eingaben fortfahren oder diese berichtigen zu können. Auch das sollte unbedingt bei einer eigenen Umsetzung beachtet werden, denn nur ein beschäftigter Besucher verlässt die Seite nicht irgendwann einfach so aus Langeweile!

Die Bestellbestätigung listet dann alles, was man ausgewählt hat. Und alles, was man nicht ausgewählt hat. Mit Menge 0. Sollte man dringend so umsetzen! Nur so sieht der Kunde noch einmal, was man sonst alles im Angebot hat. Und vielleicht überlegt er es sich ja dann noch einmal und ordert das eine oder andere Produkt noch nach. Sehr zu empfehlen ist dies vor allem für Shops, die mehrere hundert Produkte führen.

Als einzige Zahlungsart bietet man Vorkasse an. Auch hiervon sollte man unter keinen Umständen abweichen! Kreditkartenzahlungen sind tierisch unsicher, alle paar Wochen liest man davon, dass irgendwelche Kartennummern abhanden gekommen sind. Außerdem können selbst diese platzen, von Lastschrift und unbezahlten Rechnung mit nachgelagerten Mahnverfahren mal ganz zu schweigen. Paypal und Konsorten sind ja eh modernes Voodoo. Und Nachnahme macht nur Arbeit. Von daher ist die Beschränkung auf Vorkasse sehr zu begrüßen, man hat das Geld absolut sicher und der Kunde wird nicht dadurch irritiert, dass er aus mehr als einer Zahlungsart auswählen müsste.

Die Auftragsbestätigung, die dann auch die Kontonummer enthält, kommt nach fünf Tagen per E-Mail. Ein sehr kluges Vorgehen. Schließlich will der Kunde ja vielleicht doch noch was aus dem restlichen Angebot haben, sonst wäre es ja sinnlos gewesen, das alles mitzuschicken. Fünf Tage sind übrigens ein guter Zeitraum. Wenn der Kunde sich bis dahin nicht gemeldet hat will er auch nichts dazu ordern, andererseits vermeiden wir aber erfolgreich, dass wir bei ihm in völlige Vergessenheit geraten würden.

Nach weiteren vier Tagen nach Zahlung ist dann schließlich auch die Ware beim Kunden. Auch hier ist der Zeitraum gut gewählt, in dieser Zeitspanne fragt normalerweise niemand nach, wo seine Ware bleibt (und erzeugt somit unnötige Arbeit) und eilig hat man es sowieso nicht, wenn man im Internet bestellt, schon gar nicht kurz vor Weihnachten.

Wem dieses eCommerce-Modell zusagt muss nur eine Kleinigkeit beachten: Es funktioniert nur bei Produkten, auf denen man online ein Monopol hat.


So, genug der guten Ratschläge, jetzt mal ernst:
Liebe BUGA, ihr macht online einen auf ganz dicke Hose, mit Facebook, WKW, Twitter und noch zig anderen Diensten. Und beim eCommerce wird dann geknausert, oder wie ist es zu verstehen, dass hier eine „Lösung“ am Start ist, die sich vor allem durch vorsintflutliche Technik und lange Wartezeiten (fast zwei Wochen zwischen Bestellung und Auslieferung eines theoretisch in unbegrenzter Menge vorrätigen Produkts!) auszeichnet?

2 Kommentare Kommentieren

  1. Mark

    Haha, wie geil ist das denn. Ich ziehe meinen Hut den ich grad nicht auf habe.


Trackbacks/Pingbacks
  1. Onlineshop? Fehlanzeige. | Blogpotato - Friday, 16. December 2011

    [...] genau einem Jahr habe ich mich über die BUGA in Koblenz ausgelassen, deren Online-Bestellmöglichkeit für Tickets, naja, sagen wir mal, [...]

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