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Einen Blick über den Tellerrand...

...sollte man hin und wieder wagen

Inkompatible Welten

19.11.2011 Keine Kommentare

„Wake up to a better world” steht in blauen Lettern auf dem Aufsteller vor mir. Nun, unwahrscheinlich. Ich bin in Düsseldorf im Hotel NH Düsseldorf City. Und meine Welt und die von NH, die sind nicht kompatibel.

Das NH Düsseldorf City liegt, wie der Name schon vermuten lässt, nicht irgendwo am Stadtrand, sondern in Oberbilk, das ist, für Düsseldorfer Verhältnisse, mittendrin statt nur dabei. Da kann man auch schon mal geschmeidige 19 Euro für’s Frühstück aufrufen. Ich bin hier zur Beyond Tellerrand. Der Blick über den Tellerrand, der würde auch NH gut stehen:

  • Personal sollte dem Gast nie den Eindruck vermitteln, dass er gerade stört. Es ist wirklich nicht meine Schuld, dass an der Rezeption gerade irgendwelche Zettel in den Computer gehackt werden müssen, wenn ich einchecken will. Und die Zettel könnten dann auch echt mal fünf Minuten warten, stattdessen wird der Check-In dazwischengeschoben, Hauptsache wieder weg, der störende Gast.
  • Wie immer in deutschen Beherbergungsbetrieben muss man eine Anmeldung ausfüllen. Warum bitte ist die nicht vorausgefüllt? Ich habe online gebucht, der Name des Gastes für das gebuchte Zimmer wurde abgefragt, alle Daten liegen folglich bereits vor. Nein, man kommt ein leeres Formular mit dem Hinweis, alle Felder mit einem x bitte auszufüllen.
    „Auch die Ausweisnummer” – „Nein, die natürlich nicht” – „Aber die hat ein x” – „Das ist für die Ausländer”
    Vielleicht mag sich dem ja ein UI-Experte dem mal annehmen…
  • Der Zugang zum Internet stellt für mich eine Selbstverständlichkeit dar. So selbstverständlich, dass ich gar nicht mehr daran denke, dass es anders sein könnte. Nun, die Rechnung ohne NH gemacht.
    Auf dem zweiten Aufsteller vor mir steht ‘High-Speed Internetzugang’. Nur, wenn ich die verfügbaren WLANs abklappere, taucht keines auf, das swisscom im Namen trägt. Obwohl es auf der Rückseite groß angepriesen wird, nur bei Kabel findet sich der Hinweis ‘wenn verfügbar’. Das Kabel liegt vor mir auf dem Schreibtisch. Aber was bitteschön soll ich damit? Ich reise mit leichten Gepäck: Ein iPhone, ein iPad und ein MacBook Air. Ich habe keine Verwendung für Kabel!
  • Gleichzeitig scheint man im Hotel einen Störsender zu betreiben, denn während vor der Tür 3G zur Verfügung steht pendelt die Anzeige im Zimmer zwischen ‘Kein Netz’ und EDGE. An vernünftiges Tethering ist gar nicht zu denken und ja, ich würde der Swisscom ihre goldenen Bits zu Mondpreisen sogar abkaufen, aber man offeriert sie mir ja nicht einmal!
  • Der oben angesprochene Aufsteller mit der besseren Welt ist die Speisekarte für den Zimmerservice. Dort gibt es z.B. Carpacio vom Angusrind für 11 oder einen NH Burger für 14. Roomservice kostet 5 Euro Aufschlag, mal sehen, was der sagt, wenn ich ihm den Fünfer und 25 Papierschnipsel in die Hand drücke. Für Einheiten hat nämlich augenscheinlich das Geld nicht mehr gereicht.
  • Apropos Geld: Es wäre natürlich absolut vermessen, für ein Zimmer, das über 70 Euro die Nacht kostet, zu erwarten, dass das Licht am Schalter bedient werden kann. Natürlich nicht! Man muss den Stecker für die Stehlampe selbst einstecken, die zugehörigen Schalter sind selbstverständlich nur Zierde, das ist sogar mir bewusst.

Ich werde daher morgen früh als erstes mal an die Rezeption gehen (bis dahin hat das Personal gewechselt) und ein Zimmer mit Internet verlangen. Und bei der Gelegenheit kann ich ja gleich mal nach den Datenschutzbestimmungen fragen. Die soll man nämlich durchlesen, steht im Heftchen mit der Zimmerkarte. Die sind aber nur in englisch aufgedruckt.

So abgehoben, wie die Hotellerie bei den Preisen und der dafür gebotenen Gegenleistung augenscheinlich ist, so wenig sind sie in der Welt der digitalen, aufgeklärten Nomaden angekommen. Könnte blaue Augen geben…

Kleines Update: Heute beim auschecken dann die Rezeption dann doch mal auf die Mängel aufmerksam gemacht, nachdem mir die letzten Tage die Zeit dazu gefehlt hat, das irgendwie zwischen Frühstück und Konferenz zu regeln:
Das mit dem Telefonempfang ist bekannt, liegt angeblich an der Dachkonstruktion und die Zusatzantenne, die sie auf dem Dach haben, bringt angeblich nix. Traurig, aber wahr.
Das mit dem WLAN war weniger klar. Angeblich gibt es kein WLAN auf dem Zimmern, der Hinweis auf den Aufsteller wurde damit abgetan, dass es sich auf das WLAN in der Lobby bezieht (obwohl das so nicht auf dem Aufsteller steht). Dem widerspricht, dass es ein WLAN ‘swisscom_lobby’ und eines mit Namen ‘swisscom’ gibt. Aber war der Rezeptionisten nicht wirklich klar zu machen.
Das mit dem Licht wolle man von einem Techniker klären lassen, aber manchmal würde die Putzkolonne einfach mal die Stecker rausziehen. Dass das insgesamt eine suboptimale Vorgehensweise ist brauche ich wohl nicht zu erklären.

Insgesamt aber muss man sagen war es dann am Ende doch soweit in Ordnung, das NH Düsseldorf City. Drei Nächste gut geschlafen zu haben ist für einen solchen Konferenzmarathon nämlich nicht unwichtig. Und nächstes Mal habe ich dann einen LAN-Adapter dabei.

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