Apple: Kauf Loewe!

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Da ging doch zuletzt das Gerücht durch die Presse, Apple würde Loewe kaufen wollen wollen. Und jeder, der sich in der näheren Vergangenheit mit der Einrichtung eines Fernsehgeräts auseinandersetzen musste, wünscht sich, dass an diesen Gerüchten was dran sein möge, auch wenn es genug gute Argumente gibt, warum dem nicht so ist.

Aber Geschichten funktionieren besser, wenn man sie von vorne erzählt und daher will ich es auch bei dieser mal so halten. Wer mag, kann mich auf einer Reise durch die aktuelle TV-Technik begleiten. Aber bitte anschnallen, denn dem ein oder anderen wird sicherlich der Mund vor Staunen offen stehen bleiben. Allerdings nicht das gute ‘offen stehen’.

Die Fußball-EM steht vor der Tür und was gibt es schöneres, als dieses Ereignis mit Freunden zu schauen (ok, eigentlich fast alles, aber das würde den Rahmen dieses Artikels springen). Also haben wir uns entschieden, den Mainz Athletics für das bis dahin fernsehlose Vereinsheim einen eben solchen zu spendieren.
Die Wahl fiel auf ein nagelneues Gerät von Samsung, das auf den leicht zu merkenden Namen UE46ES5700S hört. Super dünn, obwohl sogar noch ein antiquierter SCART-Anschluss verbaut ist und deutlich leichter als die Eckwandhalterung, an der wie ihn befestigt haben.

Und mit dieser fangen die Probleme an. Das Anschlusspanel liegt beim Fernseher ziemlich genau mittig. Also auch ziemlich genau da, wo die Querschienen des Wandhalters laufen. Das führt dazu, dass sich das Satelittenkabel nicht anschließen lässt. Aber es gibt glücklicherweise fast kein Problem, das man nicht mit einer Flex lösen könnte…

Ein erster Sendersuchlauf ergibt ein erfreuliches Bild, denn Bild ist da und die Qualität ist sehr gut. Unter ‘unwichtige Probleme’ verbuchen wir derweil, dass fast ausschließlich englische Sender gefunden wurde, denn es laufen gerade aktuelle Folgen von The Big Bang Theory. Google meint aber, dass die Satelittenschüssel eher auf Astra 1N 28.2° ausgerichtet ist als auf den hierzulande populären Astra 1H 19.2°. Es gibt zwei Erklärungen dafür:

  • Der Fernseher weiß von der Qualität der deutschen Fernsehprogramme und hat automatisch die bestmögliche Alternative gewählt.
  • Die ausführenden Firma hat gepfuscht.

Ersteres ist unwahrscheinlich, andernfalls müsste ein zu Testzwecken herangezogener Receiver von Kathrein über die selbe Intelligenz verfügen. Zweiteres aber eigentlich auch, waren ja die Profis am Werk. In Anbetracht der Tatsache, dass ich nach wie vor vier Netzwerkdosen suche, weil genau diese Firma es weder für nötig hielt, die Dosen zu beschriften noch, uns trotz mehrmaliger Nachfragen einen Verkabelungsplan auszuhändigen, geht’s also hoch auf’s Dach (wer die Ironie bis hierhin noch nicht entdeckt hat: Die ausführende Firma hat sich bei Strom und Netzwerk nicht mit Ruhm bekleckert. Es wäre also ein Wunder, wenn das plötzlich beim Sat-Empfang anders wäre).
Ohne Messgerät schaffen wir das nahezu unmögliche, nämlich gar kein Signal mehr zu bekommen. Mit Kompass und manuellem Messgerät können wir wenigstens den alten Zustand wieder herstellen. Das Teil piepst aber wie bekloppt, da oben schwebt mittlerweile definitiv zu viel rum.
Sei’s drum. It’s amazing what you can achieve with the richtig Werkzeug. Triax SPM 1200HD und prompt ist die Schüssel richtig ausgerichtet. Mit der ursprünglichen Position hat die neue aber nicht mehr viel gemein. In diesem Zusammenhang und so groß die Verzweiflung auch sein mag: Finger weg von irgendwelchen Sat-Finder-Apps aus dem App-Store! Es ist rausgeworfenes Geld, auch, weil der iPhone-Kompass einfach durchdreht, wenn man ihn zwischen LNB und Spiegel legt.
Endlich deutsches Programm und das erste, was auf dem Fernseher läuft, ist Borussia Dortmund im Pokalfinale, die den Bayern zeigen, wie das so geht mit dem Fußballspielen. Zum Glück übertragt es das ZDF und nicht das Erste, denn dann hätten wir ein nicht unerhebliches Problem: Von der ARD wurde nur der alte Transponder gefunden. Der neue fehlt. Zumindest in HD. In SD kommt es noch über den zweiten LNB rein, der auf Eutelsat ausgerichtet ist. Alle dritten Programme glänzen auch durch Abwesenheit.

Das fällt aber erst auf, als ich versuche, die Sender zu sortieren. Das habe ich mir als Hausaufgabe mitgenommen, nachdem wir die Liste auf einen USB-Stick exportiert haben. Ein sortieren am Gerät scheint nicht möglich zu sein. Aber man kann bei allen möglichen Menüs, die mitunter auch ‘Info’ oder ‘Tools’ heißen, auf der Fernbedienung, die es auch problemlos mit einer 102-Zeichen-Tastatur aufnehmen könnte, auch schon mal den Überblick verlieren.
Also erst einmal die Bedienungsanleitung zum Fernseher besorgt. Bei Samsung auf der Homepage gibt es das e-Manual, das man sich auch so im Fernseher ansehen könnte. Das übersichtliche PDF hat gerade einmal 923 Seiten, wenn man es sich herunterlädt. Man hat nämlich bei Samsung vergessen, für alle jene, die sich das nicht am Fernseher durchlesen wollen, eine in normaler Schriftgröße aufbereitete Version zur Verfügung zu stellen.
Der Trick für die Sendersortierung ist, dass man die komische M-förmige Taste benutzt, um um Smart TV aufzurufen. Leider hat man bei Samsung auch vergessen, mal zu testen, was da so passiert, wenn man weder Netzwerkkabel noch einen USB-WLAN-Dongle angeschlossen hat. Smart TV begrüßt einen dann nämlich mit dem Hinweis, dass man doch bitte mal sein Netzwerk konfigurieren oder Smart TV beenden möge. Man muss also ‘Netzwerk konfigurieren’ wählen, dann auf ‘Abbrechen’ gehen und kann anschließend die Optionen nutzen, die kein Internet benötigen, darunter fällt auch die Sendersortierung. Großartig. Und so richtig komfortabel ist es auch nicht (das Video sollte man nur anschauen, wenn man extrem schmerzresitent gegen schlechte Musik ist, erkennen tut man eh nichts).
Zum Glück haben das Problem mit der Sortierung auch andere erkannt und Software auf den Markt geworfen. Weil Samsung das offensichtlich blöd findet ändern sie alle Nase lang den Aufbau der Senderdatei. SamsEditor und SamyGo können nämlich mit der Datei vom UE46ES5700 nicht umgehen, da es sich um ein Gerät der E-Serie handelt. Dessen Liste kann nur die SamToolBox öffnen.

Hac ja, ein großartiges Stück Software. Best implementierte Funktion: Abstürzen. Ich weiß, das mag jetzt unverschämt klingen für eine Software, die nichts kostet und einem davon abhält, das misslungene GUI des Fernsehers benutzen zu müssen. Aber so recht verstehen kann ich die Jubelgesänge nicht.
Sender suchen? Gerne, aber zwingend Groß-/Kleinschreibung beachten und vor und hinter dem Suchbegriff * als Wildcard nicht vergessen. Gibt man einem Kanal eine neue Nummer, die es schon gibt, ersetzt das den bestehenden Kanal. Vorher gibt’s noch ne kurze Warnung, aber warum kann man die nicht einfach tauschen, was es als gesonderte Funktion gibt? Mir wollte es aber nicht gelingen, zwei Kanäle zu wählen, die nicht direkt untereinander liegen. Das kann aber auch an VMware liegen, Software für den Mac sucht man nämlich gänzlich vergebens. Freie Kanalnummer eingeben, bestätigen, im nächsten Kanal direkt wieder freie Kanalnummer eingeben führt reproduzierbar zum Absturz. Nicht reproduzierbar, aber trotzdem abstürzen tut die Software immer mal wieder gerne, wenn man eine eigene Sortierung laden will oder auch beim Versuch, die aktuelle Kanalliste zu speichern.
Die Dateien mit der Sortierung haben mir dann aber doch den Abend gerettet. Und zwar indem ich alle Kanale als CSV exportiert habe. Das dann in Excel öffen (wird übrigens mit der zukunftsweisenden Kodierung Latin1 exportiert), alle Spalten außer der Kanalnummer und dem Namen wegwerfen, nach Laune sortieren, als CSV mit Strichpunkten speichern und nach .chl umbenennen.

Bliebe noch die Sache mit den dritten Programmen und dem neuen HD-Transponder der ARD. An der Ausrichtung der Satelittenschüssel liegt es diesmal nämlich nicht. Der Kathrein bekommt die Sender einwandfrei rein. Ein erneuter Sendersuchlauf am Samsung bringt aber keine Besserung. Manuell hinzufügen lässt sich der Transponder und dann findet er auch die Sender. Will man aber eigentlich nicht machen, wer weiß, was noch alles fehlt. Wenig überraschend bringt das aufspielen einer neuen Firmware genau nichts. Erst ein Sendersuchlauf bei deaktiviertem Schnellsuchlauf lässt den Samsung statt vorher 420 jetzt über 1000 TV-Sender finden. Offensichtlich klappert der Schnellsuchlauf nur Transponder ab, von denen er meint, das diese auch interessant wären. Aber auch danach fehlen noch diverse Sender, unter anderem Sat.1 in der SD-Variante, der MDR oder RheinMain TV.

Ich weiß nicht, ob Apple wirklich in diesen Markt rein sollte. Aber bitter nötig wäre es.

  1. snot_rod
    · 20.05.2012 um 19:26 ·

    Kurz und bündig: Wer Samsung kauft, ist selber schuld. Selten so schlechte Hard- und Software gesehen…..

  2. · 21.05.2012 um 10:03 ·

    Schon klar, nachher ist man immer schlauer. Ursprünglicher Plan war ein Philips, aber der Samsung wurde empfohlen…

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