Tag 10 – Memphis
Während Nashville mit Moderne und Hochhäusern das Hollywood-Image vom kleinen, beschaulichen, Südstaatennest gehörig zerstört ist Memphis genau das: Ein Kaff, das sich mehr oder weniger auf eine einzige Straße, nämlich die Beale Street, zusammenraffen lässt. Unser primäres Ziel hier ist aber zunächst nicht diese Straße, der wir aber auf der Stadtrundfahrt schon mal einen kurzen Besuch abstatten, sondern Graceland, der Heimat von Elvis Presley.
Ich bin kein Elvis-Fan und ich hatte und habe keine einzige komplette Platte von ihm in meiner Musiksammlung, von daher haben wir uns lange überlegt, diesen fakultativen Ausflug überhaupt mitzumachen. Und ich muss sagen: Es hat sich gelohnt. Wir haben insgesamt drei Sachen dort besichtigt, mit mehr Zeit (und Interesse) ausgestattet kann man sich auch noch die Ausstellungen „Sincerly Elvis� sowie „Private Presley� anschauen, aber auch so ist man für zwei Stunden bestens unterhalten.
Kernstück des Ganzen ist natürlich Graceland, das weitläufige Anwesen von Elvis. Shuttlebusse bringen einen dort hin und man bekommt einen Kopfhörer sowie ein Handgerät, mit dessen Hilfe man sich auf deutsch durch das Haus und die Außenanlagen führen lassen kann. Es ist nahezu perfekt gemacht, folgt man brav den gesprochenen Anweisungen. Lediglich die Kopfhörer selbst dämmen mitunter die Umgebungsgeräusche etwas zu schlecht und man hat leichte Mühe, den Erzählungen selbst bei höchster Lautstärke zu folgen.
Im Anschluss an die Tour, die am Grabmahl von Elvis endet, besichtigen wir noch das Automuseum, in dem zahlreiche Exponate ausgestellt sind, die dem Rockstar entweder selbst gehörten oder in irgendeiner Beziehung zu ihm stehen, wie etwa das Nascar-Fahrzeug. Und auch den beiden Flugzeugen, wobei speziell die Lisa Marie, nach Elvis einziger Tochter benannt, sehr luxuriös ausgestattet ist, statten wir einen kurzen Besuch ab, bevor uns Robert ins Hotel bringt.
Das Hilton in Memphis ist das höchste Hotel auf dieser Reise, der Glaspalast mit ebenso verglasten Aufzügen ist schon aus der Ferne zu sehen und sehr luxuriös ausgestattet. Entsprechend lässt man sich das Internet auch was kosten, es werden mal wieder die schon bekannten zehn Dollar fällig. Dem Zentrum von Memphis, also der Beale Street, ist der Prachtbau leider ebenso fern wie er hoch ist. Aus diesem Grund gibt es einen fakultativen Transfer vom Hotel in die Stadt. In der Zeit, die wir dafür benötigen, fahre ich normalerweise zur Arbeit. Ich brauche zwar auch knapp 20 Minuten, um von einem Ende von Mainz an das andere zu kommen, aber Memphis ist da, obwohl es eine für amerikanische Verhältnisse kleine Stadt ist, nochmal ein ganzes Stück weitläufiger. Die Beale Street selbst ist jetzt nicht so unbedingt mein Geschmack. Ich bin nicht der Blues-Fan, aber Roger meinte, man müsste es mal mitgemacht haben. Die Straße wäre, zumal Freitag, proppenvoll. Das entspricht jetzt nicht so ganz der Wahrheit, man kann die andere Straßenseite noch problemlos sehen. Anders als in Nashville gibt es aber viel Livemusik auf der Straße, wir halten immer mal wieder an und schauen den Künstlern zu, die Musik aller möglicher Stilrichtungen darbieten.
Die Suche nach Bier gestaltet sich etwas schwierig, zwar werden überall sogenannte Big Ass Becher angeboten, aber konsequent mit Lightbier gefüllt. Die Beale Street ist im übrigen eine der wenigen Straßen in den USA, wo man in der Öffentlichkeit Bier trinken darf. Selbst den Typen, der seinen Becher halb mit Bier und halb mit Lightbier füllt, lasse ich links liegen, auch wenn er bei meiner Frage, ob er echtes Bier in die Becher füllen würde, verschmitzt grinsen muss. Aber schließlich wird man doch noch fündig und wir halten uns den Rest des Abends an einem sehr großen Becher Yuengling-Bier für $7 fest.


Zuletzt kommentiert