Blogpotato

Atlantic Dream 2008

Wer wird denn gleich in die Luft gehen?

Tag 16 – Miami

Es geht auf das letzte Teilstück unserer Reise und gleichzeitig ist es der letzte Tag mit Roger. Gute Tour Guides sind auch in den USA rar gesäht. Der unsrige wird schon am nächsten Morgen in einem Flugzeug nach Boston sitzen, um dort eine neue Gruppe zu übernehmen, um ihnen den Indian Summer zu zeigen. Gutes Wetter bleibt ihm zu wünschen.

Auf dem Weg nach Miami machen wir am Kennedy Space Center halt. Es sollte eigentlich das Prunkstück der Zukunft sein, man dürfte erwarten, dass man mit Zukunftsvisionen nur so überhäuft wird, aber nichts dergleichen geschieht. Die USA klammern sich an die Vergangenheit und haben selbst da eine komische Prioritätensetzung. So wird unter anderem Apollo 8 bis zum Anschlag gehypt, während Apollo 11 eher untergeht. Aber zumindest verschweigt man hier die Rückschläge nicht. Anders sieht das bei der Gegenwart und nahen Zukunft aus. Die ISS ist gut und schön, aber niemand spricht davon, dass in nicht allzu ferner Zukunft wohl nur noch die Russen ins All werden fliegen können, wenn die verbliebenen drei Spaceshuttles 2010 außer Dienst gestellt werden. Der Nachfolger hat sich bislang allenfalls durch Löcher in der Haushaltskasse bemerkbar gemacht.

In Miami sind wir mal wieder meilenweit vom Stadtzentrum weg. Genau genommen sind wir gar nicht in Miami, sondern in Miami Beach. Ändert aber nichts daran, dass Lincoln Road knapp 70 Blocks neben unserer Haustür liegt und Robert ist so frei, uns in die Stadt zu bringen. Dort wollen wir eigentlich gleich was essen, aber einige Mitreisende wollen die Gelegenheit nutzen, um im lokalen Apple Store iPods zu kaufen. Ich gebe Roger den Tipp, gleich an die Kasse zu gehen und nach einem iPod zu verlangen und werde, da ich mich offensichtlich besser auskenne, gleich als Tour Guide in Sachen iPod verhaftet. Wir schlendern also die Lincoln Road hinab bis zum Apple Store. Der Laden ist, verglichen mit New York oder auch San Francisco, sehr klein, aber es gibt sie alle, in allen erdenklichen Farben. Nach einem kleinen Rundumschlag zu den Varianten, Farben und ob man einen touch braucht oder nicht gibt es zwei glückliche iPod nano-Besitzer mehr auf dieser Welt. Verkaufsprovision habe ich aber keine bekommen. Dafür war der Elfenstaubfaktor hier deutlich höher als in New York.

Wir sind etwas unschlüssig, was das Abendessen angeht, Bier bei der Löwenbräu ist uns zu teuer, nach Sushi steht uns nicht so der Sinn und so bleiben wir auf dem Rückweg bei Nexxt stehen. Nicht von der Bezeichnung „Cafe� irritieren lassen, die offerieren wie alle anderen „Cafes� auch eine vollwertige Speisekarte. Allerdings kostet das große Bier am Ende $6,50 und nicht $5,50, wie von der Platzanweiserin als Auskunft erhalten. Insgesamt macht sie einen recht unmotivierten Eindruck, was durch ihr barsches Auftreten nicht besser wird. Auch die Bedienung ist nicht so aufmerksam wie man das gewohnt ist und nach einem Blick in die Speisekarte wird auch schnell klar, warum dem so ist: Das Trinkgeld, was dann in einem solchen Fall meist als Gratuity und nicht als Tip bezeichnet wird, wird eh in Höhe von 15% auf der Rechnung stehen. Da braucht man sich natürlich auch nicht mehr so sehr anstrengen.
Wie dem auch sei, das Essen ist gut und reichlich, Henry lässt sich selbst von seiner Vorspeise, die er als Hauptgericht gewählt hat, noch was in den Doggy Bag packen. Langsam müssen wir uns sputen, Robert wird uns in Kürze abholen und wir wollten zumindest nochmal kurz an den Ocean Drive, um zumindest einen kurzen Blick auf die Art Déco-Bauten zu erhaschen, für die Miami so berühmt ist. Es ist dunkel und mir will niemand so recht glauben, dass der Ocean Drive die Straße ist, die da rechts abgeht, also mache ich nur ein paar mäßige Aufnahmen bei Nacht, während der Rest zum Strand eilt, in der Hoffnung, dort Häuser zu sehen, oder gleich wieder Richtung Bus geht.