Tag 4 – Washington
Frühstück gibt’s heute morgen im Caribou Coffee. Das ist wie Starbucks, allerdings ist das Personal wesentlich lockerer drauf als in New York und das WLAN umsonst – ich habe mich aber mittlerweile mit dem lausigen im Hotel mehr oder weniger arrangiert.
Auch wenn wir erst eine Tag mit der kompletten Gruppe unterwegs sind, fest steht: Da sind wieder ein paar ganz große Experten mit an Bord. Die zwei nörgelnden Freundinnen im gesetzten Alter beispielsweise, die an allem was auszusetzen haben. Oder Mr. Orientierungslos, ein typischer Kandidat, bei dem man sich wundert, wie er morgens seine eigene Haustür findet und den wir, weil er sich in Philly verirrt hatte, auch gleich mal suchen durften. Meine persönlicher Favorit ist aber ein Päärchen im mittleren Alter. Müssen zu allem ihren Senf dazugeben („Aha”, „Ist ja interssant”, „Ah so ist das”, usw.) und sind einfach nur nervig. Immer vorne an Rogers Lippen zu finden, damit man ja nichts verpasst und immer so übertrieben scheiß freundlich, da können selbst die Amis noch was von lernen. Beide modetechnisch am Ende der 70er stehen geblieben macht er auf mich den Eindruck, als wäre er schwul, hätte aber nicht die Eier in der Hose, es seiner Frau zu sagen, während sie wohl grad pinkeln war, als die Intelligenz verteilt wurde.
Auch nicht wirklich warm werde ich mit der Reiseleiterin, die uns heute Washington zeigt. Inges primäres Ziel scheint es zu sein, während ihrer sehr langatmigen Ausführungen möglichst viele schlechte Witze und Seitenhiebe auf Männer loszuwerden, nicht, uns die Schönheiten der amerikanischen Hauptstadt näherzubringen. Aber zunächst geht es auch erstmal zum Nationalfriedhof nach Arlington, nicht der größte Nationalfriedhof der USA, aber vielleicht der bekannteste, liegt hier doch John Fitzgerald Kennedy nebst seiner Frau und seinem Bruder Robert Francis begraben. Über das Lincoln Memorial und das Vietnamdenkmal geht es zur Rückseite des Weißen Hauses, vor dessen Eingang noch der Pavillon zum Schutz der Gäste, vor kurzem war hoher Besuch aus Ghana in der Stadt, aufgebaut ist. Zwischen Park, in dem auch eine Statue des deutschen Generlas Steuben steht, den man jährlich an oder nach seinem Geburtstag in New York mit einer Parade ehrt, und Wohnsitz des amerikanischen Präsidenten rollen erstaunlich viele Touristen auf Segways durch die Gegend. Und bei der Gelassenheit, die die um das Gebäude patrouillierende Uniformed Division des CIA an den Tag legt, ist davon auszugehen, dass der Chef nicht im Haus ist.
Die Stadtführung endet am Kapitol, das wir aber nur aus der Ferne sehen. Der Rest des Tages steht zur freien Verfügung, aber das ist in der langweiligsten Stadt der USA gar nicht so einfach. Zwar gibt es zahlreiche Museen, wir nehmen uns das Luft- und Raumfahrtmuseum vor, aber so richtig prickelnd ist das nicht. Es gibt zwar Räume, die thematisch isoliert eingerichtet sind, aber es gibt sonst keinerlei roten Faden, der sich durch das Museum zieht und so folgt auf den Raum, der sich mit den Anfängen der Luftfahrt beschäftigt direkt das Zeitalter der Düsenjets, um einen Raum weiter dann zu den berühmten Propellermaschinen zu kommen.
Wir verlassen das Museum und lichten erstmal Feuerwehr, Polizei und EMS ab, die gerade einen Verkehrsunfall aufnehmen. Keinerlei Absperrung, der Verkehr läuft ganz normal auf der viel befahrenen Kreuzung weiter. Im Hintergrund rollt ein Güterzug vorbei und wir verlagern uns aufs Train spotting. Zurück zum Hotel geht es per pedes, zunächst zum Washington Monument und von dort aus dann in nördlicher Richtung die 15. Straße entlang. Der Versuch, Postkarten zu erstehen, scheitert. Die Stadt, obwohl vollgestopft mit in- und ausländischen Touris, scheint absolut nicht auf derartiges vorbereitet zu sein. Das einzige, was es gibt, sind diese komischen Sechserblocks an Karten, wo eine gut und fünf Schrott sind. Da geb ich die Dollars doch lieber für Wasser aus, bei dem ein halber Liter für $1,90 den Besitzer wechselt. Zwei Liter Vittel kosten bei Lidl übrigens 49 Euro-Cent.
Am Abend geht es nach Alexandria in Virginia. Schönes Städtchen, aber wie bei vielen amerikanischen Städten wirkt auch hier der historische Distrikt, in dem sich Läden und Restaurants befinden, auf mich wie zwanghaft aufgesetzt und wohl nur von Touristen bevölkert. Einheimische scheint es hier nicht zu geben. Roger, der sich selbst als „Foodie” bezeichnet, also jemand, der auf gutes Essen steht, verteidigt gerne seine amerikanische Küche und empfiehlt für das Abendessen daher auch wieder landestypische Restaurants, beispielsweise einen Italiener oder ein französisches Restaurant, wo wir schließlich ein Cordon-Bleu-Sandwich zu uns nehmen.
Das ist das private Weblog von Matt Slovig. Ich verdiene meine Brötchen als Webdeveloper in der Druckvorstufe, versuche seit fast zehn Jahren, Baseball & Softball, unter anderem als Stadionsprecher der Mainz Athletics (Deutscher Meister 2007), einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen und sollte nach 15 Jahren mal wieder Geld in ein neues Bild investieren.