Tag 6 – Charleston
Wir fahren weiter Richtung Süden, das heutige Tagesziel ist Charleston in South Carolina. Auf dem Weg dorthin machen wir halt an einer ehemals großen Indigo-, Baumwoll-, Ziegel- und Pekannussplantage: Boone Hall Plantation. Von unserem in historisch gekleideten Führer mit deutschen Wurzeln erfahren wir viel über die Historie der Plantage, die Geschichte der Sklaven im Süden der USA und auch, dass die ehemals größte Anpflanzung von Pekannussbäumen zwei Wirbelstürmen fast völlig zum Opfer fiel und von einst 15.000 Bäumen heute nur noch etwa 500 übrig sind.
In eigener Regie werfen wir einen Blick in die Sklavenhäuser, in denen Sklaven wohnten, die unter anderem als Tischler, Hausmädchen oder Köche tätig waren. Die einfachen Feldsklaven hingegen wohnten in Holzhütten direkt an den Feldern und diese sind natürlich heute nicht mehr erhalten. Während die gemauerten Sklavenhäuser original so erhalten sind ist das Haupthaus ein ‘Nachbau’, wie Roger sagt. Ich teile diese Meinung nur bedingt. Es ist zwar nicht das originale Herrenhaus, das sehr einfach und zweckmäßig war, sondern ein imposantes Gebäude mit Säulen vor dem Eingang und großen, herrlich eingerichteten Räumen. Aber als Nachbau würde ich es dann doch nicht bezeichnen, stammt es doch aus dem Jahr 1935, als ein ehemaliger kanadischer Botschafter das Anwesen erwarb und auf dem Gelände ein Herrenhaus errichtete, das dem Bild entsprach, das ihm Hollywood in den Kopf gesetzt hatte. Apropos Hollywood: Weltweite Berühmtheit erlangte Boone Hall durch einen Film, den ich nie gesehen habe, Fackeln im Sturm.
Wir übernachten im bislang schlechtesten Hotel der Reise, dem Holiday Inn in Charleston. Das Hotel ist ein 14-stöckiger runder Klotz, der auf einer Insel steht und an dem direkt rechts und links der Highway vorbeirauscht. Ansonsten gibt es als einzige Attraktion auf der Insel nur noch ein Waffle House, in das man aufgrund des hohen Versifftheitsfaktors nicht wirklich rein will, geschweige denn was essen. Das im obersten Stockwerk befindliche Restaurant ist hochpreisig, die einzige Möglichkeit, in die Stadt zu kommen, ist der Hotelshuttle, der aber nicht auf Zuruf, sondern nach einem strikten Fahrplan alle zwei Stunden fährt. Wer mag kann sich im viel zu kalten Pool eine Erkältung holen und so besteht die Abendunterhaltung aus zwei Stunden langweiliger Vorberichterstattung und drei Vierteln New York gegen San Diego. Football logischerweise, Baseball spielt man nicht in Vierteln.
Die Zimmer, an deren Tür ein utopischer Zimmerpreis von $350 klebt, sind platztechnisch eine Lachnummer, mittels Klimaanlage, die alle paar Minuten röchelnd anspringt, bis kurz vor dem Gefrierpunkt heruntergekühlt, darüber hinaus liegt die Telefondose abgerissen auf dem Boden und es ist nicht möglich, ein MBA-Netzteil mit amerikanischem Duckhead in die Steckdose zu stecken. Dank einer völlig falsch montierten Plastikabdeckung findet es nämlich keinen Halt und fällt immer wieder raus. Strom bekommt mein Notebook dann doch. Neben dem Bett finden sich noch zwei Steckdosen, deren Schrauben allerdings allergisch auf die Wand dahinter reagieren und daher die Zusammenarbeit mit dieser verweigert haben. Darin hält dann auch der Adapter, das ganze mit einem deutschen Mehrfachstecker verlängert reicht dann gerade so auf Biegen und Brechen zum Tischchen. Wenigstens ist das WLAN umsonst. Aber die Amis, die das Hotel bei Google bewertet haben, müssen irgendwo anders übernachtet haben oder völlig schmerzbefreit sein. $350 Dollar die Nacht haben sie aber sicherlich nicht bezahlt.
Das ist das private Weblog von Matt Slovig. Ich verdiene meine Brötchen als Webdeveloper in der Druckvorstufe, versuche seit fast zehn Jahren, Baseball & Softball, unter anderem als Stadionsprecher der Mainz Athletics (Deutscher Meister 2007), einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen und sollte nach 15 Jahren mal wieder Geld in ein neues Bild investieren.