Blogpotato

Atlantic Dream 2008

Mit dem Trolley durch Savannah

Tag 7 – Savannah

Charleston minus Hotel ist eine wunderschöne Stadt. Unzählige Häuser im Kolonialstil säumen die Straßen und durch das Verbot, Hochhäußer zu errichten, hat man das historische Straßenbild in weiten Teilen erhalten können. Eine auf den ersten Blick komische Regelung erlaubt in Charleston keine geführten Gruppen mit mehr als 20 Personen. Genauer betrachtet ist das aber gar nicht so schlecht. Zum einen stehen vor den vielen in Privathand befindlichen Gebäuden nicht riesige Trauben von Menschen, zum anderen ist es auch angenehmer und persönlicher, wenn die Gruppen nicht so groß sind.

Unsere Stadrundfahrt respektive der Rundgang beginnt am ehemaligen Frachtbahnhof von Charleston, der heute das Besucherzentrum beherbergt. Andrea zeigt uns dann, nachdem wir an der Battery aus dem Bus ausgestiegen sind, zu Fuß die Stadt. In knapp zwei Stunden gibt es nicht nur einen Crahskurs in Stadtgeschichte, sondern auch viel interessntes und wissenswertes zum Leben als Auswanderer in den USA und das Andrea die Stadtführungen mittlerweile mehr oder weniger als Zeitvertreib macht, ihre Brötchen aber neben dem Gehaltsscheck, den ihr Mann jeden Monat mit nach Hause bringt, hauptsächlich durch den Verkauf antiquarischer Bücher über das Internet finanziert. An den Markthallen endet eine Tour durch eine wunderschöne, historisch erhaltene Südstaatenstadt und wir bummeln durch die Markthallen und die umgebenden Straßen, ohne den Applestore in Charleston aufzusuchen. Dafür kommen wir zufällig an der Feuerwache vorbei, wo Engine #2 gerade einparkt. In den Hallen finden sich darüber hinaus noch historische Fahrzeuge.

In knapp zwei Stunden bringt uns Robert zum heutigen Tagesziel nach Savannah. Auf dem Weg dorthin hätte er fast das Heck eines Polizeiautos mitgenommen, nachdem der Bulle meinte, auf dem Highway mal eben das Blaulicht einschalten zu müssen, um dann auf der Straße zu wenden und in entgegengesetzter Richtung zu enteilen. Heute wird eine Trolleytour durch die Stadt angeboten, die wir natürlich mitnehmen, aber eigentlich nicht gebraucht hätten, denn anders als in Charleston liegt das Hotel mitten im historischen Bereich der Stadt am Ellis Square, einem von ursprüngliche 24 Plätzen, die Stadtgründer James Oglethorpe über das ganze Stadtgebiet verteilte und von dem heute noch 20 übrig sind und zwei weitere gerade wieder hergestellt werden, während die verbleibenden beiden für immer durch die Historie vernichtet wurden.

Der orange-grüne Trolley ist irgendwie baugleich mit allen anderen in allen Städten der USA und die Dinger gibt es auch irgendwie in jeder Stadt. Scheinbar gibt es in Amerika genau einen Hersteller für Trolleybusse, einen für Linienbusse und einen für Straßenbahnen. Naja, der Schein trügt sicherlich, es gibt ja auch nicht nur einen Hersteller von Betriebssystemen, auch wenn 99% der Menschheit das wahrscheinlich überraschen würde. Ich bin noch nie mit so einem Ding gefahren und werde das wohl auch nicht mehr tun. Das liegt jetzt nicht an unserem Fahrer Jack, der normalerweise auch gleichzeitig Fremdenführer ist, eine Rolle, die aktuell Roger einnimmt. Es liegt an den Bussen selbst. Die Sicht ist trotz Fensterplatz bestenfalls als mäßig zu bezeichnen und immer wieder wehen einem die Abgasse des Busses oder des übrigen Verkehrs in die Nase. Insgesamt gesehen nichts, was ich öfters haben müsste, aber man sieht vom Trolley aus zumindest ein paar Stellen, die man nochmal aufsuchen möchte und da Savannah erlaufbar ist machen wir das auch. Über den ehemaligen Bahnhof geht es zur Feuerwache, wo gerade für die Feuerwehrleute ein Fotoshooting stattfindet, zum Polizeipräsidium, vor dem zwei alte Chevies stehen. Da Five Guys in Savannah erst kurz vor der Eröffnung steht müssen wir uns was anderes zum Abendessen suchen. Auf der Hauptstraße, der Broughton Street, finden wir ein nettes Burgerrestaurant mit hinsetzen und so, wo es leckere Burger, hübsche Bedienungen und Softdrinks bis zum Abwinken zu fairen Preisen gibt.

Auch wenn Savannah mit seinen vielen Plätzen städtebaulich in den USA und vielleicht sogar weltweit seinesgleichen sucht, insgesamt hat mir Charelston dann doch besser gefallen – die herausgeputzten Häuser und die europäisch anmutenden Straßenzüge punkten hier.