Blogpotato

Atlantic Dream 2008

Olympia-Stadt von 1996

Tag 8 – Atlanta

Erster Stop ist heute ein weiteres Schlachtfeld. Das am Frühstücksbuffet. Es gibt Plastikfrühstück, also Süßkram, dünnen Kaffee und das ganze auf Einweggeschirr serviert. Und es ist im Preis inklusive. Nicht nur für uns und unseren Schwesterbus, sondern auch für zwei weitere Busse mit amerikanischen Touristen. Die erkennt man immer daran, dass nicht nur der Reiseleiter, sondern alle Reisenden ein Namensschild tragen, damit sie nicht vergessen, wie sie heißen.
Und im Frühstücksraum sieht es aus, als gäbe es kein Morgen mehr. Es ist ein Hauen und Stechen, selbst Roger meint später im Bus, es versteht nicht, warum man sich beim Frühstück aufführen muss wie beim Boxkampf. Wir schaffen es trotzdem, ohne nennenswerte Verluste ein paar Teilchen, Kaffee und Orangensaft zu ergattern und ziehen uns zum Essen an die verwaiste Bar zurück – einen Sitzplatz im Frühstücksraum dürfte es nämlich auch in den nächsten Stunden nicht geben.

Der erste wirkliche Stop des Tages ist technisch bedingt, Robert muss tanken. Mal sehen, ob es heute klappt. Der erste Versuch bei Flying J auf dem Weg nach Winston-Salem scheiterte an einer nicht funktionierenden Kreditkarte, zwar war Robert dann abends nochmal weg, um zu tanken, aber das war wohl auch ein Schlag ins Wasser. Keine Ahnung, ob wir gerade auf Reserve laufen oder der Tank jetzt wieder voll ist. Werden wir die nächsten Tage wissen.

Gegen Mittag erreichen wir Atlanta, die Hauptstadt Georgias und Olympiastadt von 1996. Atlanta, im Bürgerkrieg von General Sherman dem Erdboden gleichgemacht, ist ein Sinnbild des neuen Südens, anders als in Savannah oder Charleston dominieren hier Wolkenkratzer und moderne Gebäude das Stadtbild. War ja auch nichts historisches mehr da, was man hätte erhalten können. Wir steuern das CNN-Center an, den Hauptsitz des bekannten Nachrichtensenders, direkt neben dem Centennial Olympic Park. Im Anschluss daran geht es auf Stadtrundfahrt. Wir halten am Georgia Railroad Freight Depot, ein weiterer umgebauter ehemaliger Frachtbahnhof, mit Blick auf das Kapitol von Atlanta. Die Kirche, in der Martin Luther King Jr. predigte und direkt daneben seine Grabstätte ist unser nächster Halt, von hier sieht man in der Ferne die Skyline von Atlanta, einen anderen Blickwinkel darauf hat man vom Garten der Bibliothek von Ex-Präsident Jimmy Carter aus.

Nach der Stadtrundfahrt geht es zu einer der weltweit bekanntesten Marken: Coca-Cola. Im Coca-Cola-Museum „World of Coca-Cola� erfährt man alles über die braune Brause und es ist schon unglaublich, was man für eine Show um ein Getränk machen kann. Historische Plakate und Schilder aus aller Welt, 4D-Kino, die schwersten 79 Tage von Coca-Cola und natürlich auch ein Blick auf die Popkultur, zu der Coca-Cola unzertrennlich gehört, sind einige der Attraktionen, die der Besucher geboten bekommt.
Und Coca-Cola ist ja schon lange nicht mehr nur das ursprüngliche Cola-Getränk. Weltweit unterhält der Konzern heute unzählige Marken und Getränke und einen Teil davon kann man im Museum probieren, also auch Sachen, die es bei uns nie auf dem Markt schaffen würden. Wie Fanta Melon beispielsweise. Und nachem ich es probiert habe, weiß ich auch, dass das gut so ost. Manche Getränke schmecken wie Wasser, andere haben zwar einen intensiven Geruch, aber das war es dann auch schon. Oder sie riechen (und schmecken) wie Mundspülung. Und wieder andere sind lecker. Wie etwa die Apfelgetränke für den chinesischen Markt, auch wenn deren Farbe alles andere als gesund aussieht. Oder diese mezzo mix-Zeug, das angeblich in Deutschland verkauft wird. Ich hab sie alle 64 probiert, aber die richtig harten Sachen, wie etwa amerikanisches Rootbier, hatten sie erst gar nicht aufgefahren. Es dürfte also noch wesentlich schlimmeres geben als das, was man uns im Museum angeboten hat.

Atlanta ist, so Roger, primär eine Stadt zum Arbeiten. Das merken wir dann auch sehr deutlich. Wir ziehen abends nochmal los und wollen die Stadt unsicher machen, scheitern aber quasi schon am International Tower. Der hat laut Roger bis sieben Uhr abends geöffnet, aber schon um sechs sind zahlreiche Geschäfte geschlossen, im Gebäude ist kaum noch was los. Wir holen uns noch ein paar Karten, deren Gewinnmarge wohl an der Steuer vorbei direkt in den Säckel des Ladenbesitzers wandert (oder Atlanta hat genau 0% Steuer) und verlassen das Gebäude dann wieder. Auch Amerika hat manchmal geschlossen.