Blogpotato

Atlantic Dream 2008

Wiege der Countrymusik

Tag 9 – Nashville

Das heutige Tagesziel ist Nashville in Tennessee. Hier gehen die Uhren noch anders. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn kurz nach unserem Frühstücksstop, den wir beim berühmten Chattanooga Choo Choo Train machen, wechseln wir von der Eastern Standard Time zur Central Daylight Time und sind damit jetzt sieben Stunden hinter der deutschen Zeit. Meine beiden besonderen Freunde wollten die Uhr schon beim Grenzübertritt umstellen, weil das so im Reiseführer stünde, was sie auch prompt dem ganzen Bus mitteilen mussten. Dummerweise verläuft die Zeitgrenze aber quer durch Tennessee. Man sollte nicht alles glauben, was irgendwer auf tote Bäume geschrieben hat,

Chattanooga’s Hochzeiten als Personenbahnhof sind, wie im Großteil des Landes auch, lange vorbei, der Choo Choo Train ist heute nur noch ein Stück Legende, das in Form einer bunt angemalten Lock, die eher aus dem Zirkus zu stammen scheint, auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände von Chattanooga steht. Der Bahnhof ist heute ein Hotel und ein Teil der Hotelzimmer sind umgebaute Personenwagen aus der Zeit, als der Choo Choo Train, der seine Berühmtheit primär dem Song verdankt, Chattanooga noch mit dem Rest der Welt verband.

Nashville ist, zumindest aus deutscher Sicht, die Wiege der Countrymusik, in Wahrheit ist die Stadt, die sich den Beinamen „Music City� gegeben hat, weit mehr als das. Viele berühmte Künstler nehmen hier ihre Platten auf oder haben Tonstudios in der Stadt. Unser Hotel, das Best Western Music Row, trägt diesen Namen, weil sich direkt dahinter unzählige Studios und ähnliches anschließen. Wer sich unter Nahsville ein beschauliches Westernstädtchen nach Hollywood-Machart vorstellt wird schwer enttäuscht sein, die Stadt ist, wie auch Atlanta, ein Sinnbild des neuen Südens. Zahlreiche Wolkenkratzer erstrecken sich in den Himmel über Nashville, besonders markant sticht das Batman-Gebäude von AT&T hervor. Vor der historischen Kulisse des Broadways, Nashvilles Musik- und Einkaufsstraße, wirkt es fast wie ein Störkörper.
Auf dem Broadway finden sich unzählige Kneipen und Geschäfte für alles, was das Herz begehrt, über Souvenirs und Musik bis hin zur klassischen Westernausstattung. Bereits zur Mittagszeit gibt es in vielen Kneipen Livemusik, die, dem deutschen Klischee entsprechend, sehr countrylastig ist. Wir entscheiden uns nach einem Bummel über den Broadway für das Legends Corner ganz am Anfang des Broadways und schräg gegenüber dem futuristischen Besucherzentrum der Stadt. Wir genießen bei guter Livemusik Budweiser für günstige $3,75 pro Flasche.

Eigentlich sah die Abendplanung vor, ein nettes Lokal für’s Abendessen zu finden. Der Weg in die Stadt führt aber über den ehemaligen Bahnhof, dessen Personenteil heute zwar auch ein Hotel beherbergt, der Frachtteil ist aber noch in Betrieb und das nicht zu knapp. Als wir am Bahnhof vorbeikommen zieht gerade ein Containerganzzug, Intermodal genannt, an uns vorbei, von dem man in der Ferne weder den Anfang noch in der anderen Richtung das Ende sehen kann, während auf dem Nachbargleis ein Getreideganzzug gerade Ausfahrt in Richtung Süden hat.
Wir bleiben noch etwas am Bahnhof, um kurz darauf Zeuge eines doppelten Personalwechsels zu werden. Sowohl der nächste in südlicher Richtung fahrende Getreideganzzug als auch der mit einer SD70MAC in BNSF-Farben vor zwei CSX-Loks bespannte Intermodal-Zug halten am Tower zu Crewwechsel. Als beide langsam ihre Reise fortsetzen fahren aus Norden drei SW1500 Switcher sowie eine SD40-2 ein, die kurz darauf Rangieraufgaben übernehmen werden.
Wir verlagern unseren Standort dann aber doch an den Broadway, wo wir den Abend bei nicht mehr ganz so günstigem Budweiser für $4,- pro Flasche ausklingen lassen.