So nett die Stereoanlage auch ist. Ohne Fernbedienung will sich das rechte HiFi-Feeling nicht einstellen. Der Touchscreen ist bequem, um mal schnell iTunes wieder anzuwerfen und wenn der Laptop läuft kann man mittels Remotesteuerung auch ohne Aufstehen durch die Bibliothek blättern.
Nur bringt es einem nichts, wenn man mit einem guten Buch und einer guten Tasse Kaffee auf dem Sofa liegt und einen der Wunsch nach Beschallung ereilt. Zumindest nicht, wenn der Mac mini, der hier die Stereoanlagendienste verrichtet, der letzte mit G4-Prozessor ist. Denn die praktische Apple Remote inkl. Front Row gibt es erst, seit ein Intel-Herz im Innern der Brotdose schlägt.
Also muss eine andere Lösung her. Die Apple Remote bekommt man ja auch so im Apple Store. Ohne Infrarot-Empfänger nutzt einem aber die coolste Fernbedienung nichts.
Für dieses Problem gibt es prinzipell zwei Lösungen:
Gentlemen, start your Lötkolben!
Technisches Verständnis und das notwendige Geschick im Umgang mit dem Lötkolben vorausgesetzt kann man sich das ganze selbst löten. Entsprechende Bausätze sind für wenig Geld im Internet erhältlich. In dem Fall fehlt dann nur noch ein passender Treiber und eine Steuersoftware. Letzteres gibt es in Form von iRed schon länger und in Form von mira noch nicht so lange. iRed bringt darüber hinaus auch gleich noch passende Treiber für IRTrans mit. Ob diese auch mit einer Bastelpackung funktionieren käme auf einen Versuch an. Seit kurzem bietet Twisted Melon passend zu mira mit Manta™ TR1 (nein, das ist nicht der Nachfolger des Manta B!) auch eine passende Hardware zur eigenen Softwarelösung an, über Verfügbarkeit auch und gerade in Deutschland schweigt sich die Website aber aus.
Gentlemen, open your Geldbeutel!
Faulheit kostet, keine Frage. Weniger aus Angst vor nicht funktionierenden Treibern sondern eher, weil ich hässliche Brandblasen befürchte, wenn ich mich am Lötkolben versuche, kam daher nur die Fertiglösung von IRTrans ernsthaft in Frage, auch wenn die mit 100 Euro zu Buche schlägt. Dafür spart man sich die 20 Euro für iRed, weil man das ganze im Bundle kaufen kann. Das reicht dann schon fast für die Apple Remote. Aber eben nur fast.
Anschließen, installieren, fernbedienen
Das IRTrans-Modul an einen freien USB-Port angeschlossen, die Software und die passenden Treiber installiert, geht es erstmal ans konfigurieren.
iRed sollte man gleich in die Startobjekte legen, damit es auch nach einem Neustart sofort wieder läuft. Damit man dann nicht jedes mal eine leere Fernbedienung auf dem Bildschirm hat, sollte man iRed das gleich abgewöhnen und den entsprechenden Haken in den allgemeinen Einstellungen entfernen.
Jetzt heißt es Codes lernen und auch wenn iRed weder einen Usability- noch einen Schönheitspreis gewinnen wird: Die Knöpfe für die Fernbedienung sind in der Software bereits angelegt und die Codes rasch zugewiesen.
Jetzt brauchen wir nur noch eine Software, die wir damit steuern wollen. Mangels einem frei verfügbaren Front Row bleibt nur der Griff zu MediaCentral – das macht seit dem Update auf Version 2.0 das ganze Szenario nicht wirklich billiger, schlägt es doch noch mal mit mindestens 30 Dollar zu Buche. Aber da wir die Kreditkarte eh gerade in der Hand haben…
Für den Preis bekommt man weder eine Cola noch einen Eimer Popcorn, dafür eine vollwertige Media-Center-Lösung, die Front Row in vielen Bereichen überlegen ist, etwa bei der Integration von TV-Adaptern oder Radiostreams, teilweise aber dem Vorbild aus Cupertino jämmmerlich hinterherhinkt. Eine Unterstützung von in Gruppen abgelegten Playlists fehlt beispielsweise bis heute.
Um keine Fernbedienung anlegen zu müssen, die, um die Funktionalität sicherzustellen geladen und aktiv sein müsste, werden die Buttons der Apple Remote mit entsprechenden Triggern versehen, die MediaCentral Funktionalitäten steuern. Passende AppleScrips für MediaCentral liegen iRed seit einiger Zeit bei und so spart man sich mittlerweile das fummelige Tippen im viel zu kleinen Codefenster des Inspektors. Und das mühselige Herausfinden der passenden Tastaturcodes, die zu schicken sind.
Also den Inspektor geöffnet, über die beiden Tabs ‘Knopf’ und ‘Trigger’ auf ‘Trigger’ gewechselt, dann den enstprechenden Knopf aus Fernbedienungen gewählt. Mit einem Klick auf ‘Trigger’ in der Symbolleiste landet der im linken Fenster. Nach dem Anwählen des gerade hinzugefügten Knopfs scrollt man zu den AppleScripts, wählt das Passende aus und klickt in der Symbolleiste auf ‘Aktion(en)’. Wenn man das für jeden Knopf wiederholt hat ist auch der G4 Mac bereit, um mit der Fernbedienung bedient zu werden.
Fazit
Sicher, billig ist was anderes. Zusammengerechnet kommt man auf um die 150 Euro. Für einen “Proof of Concept” recht happig. Und indem man die Knöpfe der Apple Remote auf Trigger bindet, die nichts anderes machen als MediaCentral zu steuern, liegen die meisten reizvollen Funktionen sowohl von iRed als auch von IRTrans brach. Etwa, anderen IR-fähigen Geräten wiederum Codes zu senden und so mit einem einzigen Knopfdruck das Licht zu dimmen, den Beamer ein- und den Monitor auszuschalten und die Leinwand herunterzulassen.
Das Setup ist mittlerweile ein dreiviertel Jahr alt und ich wollte damals unbedingt eine Lösung haben, um mit der Apple Remote meinen mini steuern und da war die Auswahl nicht wahrlich umfangreich. Als Early Adopter hat man es nicht immer leicht und nie billig. Und sollte wirklich mal ein Beamer seinen Weg in meine vier Wände finden verfüge ich über eine Lösung, die mir mit der Apple Remote hier zahlreiche Optionen bietet, das ganze so komfortabel wie möglich zu gestalten. Für die reine Fernbedienbarkeit fährt man mittlerweile mit der Mira- und Manta-Kombi wesentlich günstiger, sofern man denn das Paket, das im Bundle mit 32 Dollar zu Buche schlägt, irgendwann in Deutschland bekommt. Plus Apple Remote und MediaCentral ist man dann bereits mit ziemlich genau der Hälfte des Preises dabei.